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Samstag, 11. Juli 2020

Tizians Poesie nach 400 Jahren vereint

Tizians Poesie Bilderzyklus gehört zu den großen Meisterwerken der europäischen Renaissance. nach 400 Jahren vereint die National Gallery in London erstmals wieder die sechs Bilder aus dem Zyklus „Poesie“ des großen italienischen Meisters, Tizian (ca. 1488-1576). Die sechs großformatigen Ölgemälde, geschaffen zwischen 1551 und 1562, zählen zu den originellsten bildnerischen Darstellungen des klassischen Mythos der Renaissance. Die Meisterwerke der europäischen Malerei inspirierten auch Künstler wie Picasso und Velázquez. Die Rahmen zu den Bildern wurden aufwendig nach alten Rahmenmodellen aus jener Epoche neu angefertigt. Das heißt, sie wurden aus einem Baumstamm herausgesägt und vorprofiliert. Danach wurden die Stäbe handgeschnitzt und zusammengesetzt, schließlich mit Blattgold belegt und patiniert.

Tizians Poesie Der Raub der Europa
Aus Tizians Poesie: Der Raub (oder die Vergewaltigung) der Europa

Was stellt der Bilderzyklus „Poesie“ dar?

Die Bilder zeigen Liebesgeschichten aus der griechischen Mythologie zwischen Göttern beziehungsweise Göttinnen mit Menschen, die meist einen tragischen Ausgang nahmen. Tizian schöpfte seine Inspiration vornehmlich aus den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid. Wenige Jahre vor Vollendung des Werkes, um 1553, war eine italienische Übersetzung des originalen Textes in Latein herausgekommen, die der Künstler sicherlich intensiv studierte. Tizian war schon Anfang 60, als er den Auftrag vom spanischen Thronfolger Philipp II. zu diesem Zyklus bekam. Er war also schon entsprechend erfahren in seiner Kunst und im bildlichen Geschichtenerzählen. Interessant ist auch, dass er nicht nur Ovids Poesie malerisch darstellt, sondern auch zahlreiche andere Künstler zitiert, durch dargestellte Skulpturen und Werke anderer italienischer Meister. Die sechs rauschhaften und dramatischen Bilder handeln von menschlicher Leidenschaft und Erotik, Irrationalität, Gewalt, Liebe und Tod. Deshalb auch der Titel der Ausstellung „Titian: Love. Desire. Death“.

Tizians Poesie: Weshalb geschaffen, warum so lange getrennt?

Der junge Habsburger Philipp II. (1527-1598), ab 1556 König von Spanien, gab die Werke 1550/51 bei Tizian in Auftrag, der bereits seinem Vater Karl V. diente. Insgesamt handelte es sich um 18 Werke. Sechs davon stellen den Zyklus „Poesie“ dar. Philipp II. gab dem Künstler dabei alle Freiheit, die Themen selbst zu bestimmen, mit der wohl einzigen Vorgabe, dass die Bilderthemen aus der europäischen Mythologie stammen sollen.

Es ist nicht bekannt, ob die Bilder jemals zusammen in einem Raum gehangen haben. Denn bereits wenige Jahre nach Vollendung des Zyklus 1566 begann die Zerstreuung des Werke, als Philipp II. seinen Staatssekretär mit „Perseus und Andromeda“ (siehe Bild unten) beschenkte.

Tizians Poesie Perseus und Andromeda
Tizian Poesie: Mit Perseus und Andromeda begann die Zerstreuung des sechsteiligen Zyklus

Heute ist der Zyklus auf fünf Museen verteilt. Erst im Herbst 2019 kam die Bestätigung von der Londoner Wallace Collection, das auch die Szene von der Rettung Andromedas beigesteuert werden kann. Auch der Raub der Europa (siehe Bild ganz oben), hat erstmals seit 1896 das Garner Museum in Boston verlassen. Die von Matthias Wivel kuratierte Ausstellung „Liebe, Verlangen, Tod“ fußt auf eindrucksvollem wissenschaftlichen Fundament. So enthält der Ausstellungskatalog auch den Briefwechsel zwischen Tizian und Philipp II.

Tizians Poesie mit erstaunlichen Rahmen

Die National Gallery in London verfügt, wie nur wenige große andere Museen in der westlichen Welt auch, über eine eigene Rahmenwerkstatt („Framing Department). Die Rahmenwerkstatt wird von Peter Schade, dem „Head of Framing“ geleitet. Die Abteilung verfügt über ein großes Lager an wertvollen Originalrahmen. Für Tizians Poesie jedoch mussten die Rahmen extra angefertigt werden. Dies war ein enormer Aufwand, nicht zuletzt aufgrund der großen Abmessungen der Bilder. Die Herstellung der Rahmen können Sie auch in einem Video bestaunen.

Zuerst wurde in der Maschinenwerkstatt der Rahmenabteilung ein ganzer Baumstamm zersägt. Bei dem Baum handelte es sich um eine Pappel aus der Lombardei, die laut Schade gar nicht so leicht zu beschaffen war. Große Bretter wurden aus dem Baum gesägt, die sodann mit Handwerkzeugen handprofiliert wurden. Dadurch erhalten die Rahmen eine an dem Holz angelehnte Natürlichkeit und Ungleichmäßigkeit. Schade betont, dass lediglich das Zusammensetzen der Rahmenschenkel mit großen wuchtigen Nägeln keine originale Herangehensweise beim Rahmenbau ist. Denn zu Zeiten der Renaissance wurde ein ganzer „Eimer an Nägeln“ in die Rahmenschenkel getrieben.

50 Meter geschnitzte Rahmen

Insgesamt wurden 50 Meter Rahmen geschnitzt und zusammengesetzt. Danach wurden die Rahmen mit Hasenleim und Kreide gelblich grundiert. Als nächstes wurde eine rot-schwarze Farbe mit Pinsel aufgestrichen, die später durch das Blattgold durchschmimmert und dem Gold einen bestimmten, den gesuchten Ton gibt. Dennoch ist das Endergebnis und wie die Bilder letztlich in den Rahmen wirken zu jenem Zeitpunkt des Rahmenbaus immer noch nicht ganz klar.

Das Auftragen des eintausendstel Millimeter dünnen Blattgoldes gehört zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten in der Rahmenherstellung überhaupt. Jahre an Übung sind erforderlich, dass die Arbeit leicht und flüssig erscheint.

Sind die Rahmen nach dem Vergolden bereits fertig? Mitnichten! Das Gold muss nun festgesetzt werden. Allerdings würde der Rahmen so belassen zu stark glänzen und von dem Bild ablenken. Deshalb müssen die Rahmen noch geschickt patiniert werden. Das hat zweierlei Vorteile: Erstens wirken die Rahmen „alt“ und original wie aus der Renaissance, und zweitens setzen sie so die Kunstwerke Tizians in volle Pracht. Es dauerte Wochen und Monate die Rahmen zu fertigen. Nun hängen die Bilder, eindrucksvoll gerahmt, an tiefroten Wänden in der National Art Gallery London.

Nach 111 Tagen wiedereröffnet

Die National Gallery London ist das erste große Museum in London, das nach dem Lockdown wiedereröffnet. Mit Maske und zwei Meter Abstand können Besucher den Zyklus und andere Werke Tizians noch bis zum 17. Januar 2021 bewundern. Danach wandert der Zyklus noch nach Boston und Madrid, bis er wieder auf seine Heimatmuseen verteilt wird.

Tizianos Poesie günstig gerahmt für zuhause Dank Rahmenfinder!

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