12. Februar 2021

Der älteste Bilderrahmen der Welt

Im alten Ägypten wurden vermutlich erstmals Portraits gerahmt

In Europa kamen Bilderrahmen aus Holz erst im 14 und 15. Jahrhundert richtig in Mode und wurden damals noch eher der Architektur als dem Motiv angepasst. Damals wie heute ging es darum, das Bild von seiner Umgebung zu trennen, um die Aufmerksamkeit auf das Motiv zu lenken. Doch die ersten Bilderrahmen sind vermutlich noch viel älter. Schon im alten Ägypten fertigte man Bilderrahmen für Portraits. Es waren sozusagen die ersten Portraitbilderrahmen der Geschichte.

Die ältesten Bilderrahmen dienten der Abgrenzung

Zumindest in den Höhlenmalereien der Steinzeit kannte man noch keine Rahmen um die Motive. In Ägypten und im alten Griechenland verwendete man bereits Rahmen um Gemälde. Jeder hat vermutlich schon einmal die alten Topfmalereinen der alten Griechen gesehen. Einzelne Szenen sind dort oft mit dekorativen, verzierten Rahmen abgetrennt.

der älteste bilderrahmen der welt
Ägyptisches Gemälde mit gemaltem Rahmen, ca. 2500 vor Christus (Raum vom Grab Sarenput II.)

Der älteste Bilderrahmen stammt aus dem Ägypten der Römerzeit

Die wohl wirklich ältesten Bilderrahmen der Welt stammen aus dem Ägypten während der Herrschaft der Römer. Die ägyptischen Eliten ließen von sich Portraits anfertigen, und zwar auf Holzpanelen. Holz als Grundlage war für Gemälde bis ins 14. und 15. Jahrhundert üblich. Erst danach kamen die Leinwände zur Anwendung. Der älteste Bilderrahmen stammt etwa aus den Jahren 70 bis 50 vor Christus. Um 1911 hat Flinders Petrie das Portraitgemälde mit Rahmen entdeckt. Insgesamt sind etwa 900 agyptische Portraitgemälde aus der Römerperiode (etwa 100 vor bis 100 nach Christus) bekannt.

der älteste bilderrahmen der welt
Der älteste Bilderrahmen der Welt? Entdeckt von Flinders Petrie, heute im Metropolitan Museum of Art in New York

Das obige Bild ist ein Portrait auf einer Holzpanele. Der älteste Bilderrahmen der Welt wurde dann aus der Holzpanele geschnitzt. Diese Portraitbilder lagen auf den Mumien, als Forscher wie Petrie sie fanden. Man erkennt auch, dass die Portraits mit Bändern um die Mumien gewickelt waren. Sowohl Bild und Rahmen sind in fast perfektem Zustand enteckt worden, was auch am heißen und trockenen Klima Ägyptens liegen dürfte. Die Portraits sind als Fayum-Portraits bekannt. Sie fügen sich ein in eine jahrhundertealte Tradition von Portraitbildern auf Holz die bis weit ins byzantinische Reich langt.

30. Januar 2021

Der teuerste Bilderrahmen der Welt

Rahmt zugleich das teuerste Bild der Welt

Der teuerste Bilderrahmen der Welt? Ist das ein diamantenbesetzter Bilderrahmen? Oder ein Rahmen komplett aus Gold? Oder ist das ein künstlerisch besonders wertvoller Bilderrahmen, der ein übergroßes Kunstwerk rahmt? Nichts von alledem. Trotzdem ist der teuerste Bilderrahmen der Welt ein ganz besonderer Bilderrahmen, der vor einigen Jahrzehnten womöglich noch verschenkt worden wäre. Warum das so ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Salvator Mundi – das teuerste je versteigerte Bild

Das Gemälde Salvator Mundi (der „Erlöser der Welt“) wurde erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts, als es seinen Besitzer wechselte, eingehend untersucht und restauriert. Nachforschungen ergaben, dass das Bild wohl nicht nur aus der Werkstatt von Leonardo da Vinci stammt, sondern sogar höchstwahrscheinlich von ihm selbst erschaffen wurde, und zwar in Italien im 15. Jahrhundert. Auf einer Auktion bei Christie’s in New York im November 2017 wurde es für 450 Millionen US$ versteigert und ist seitdem das teuerste jemals versteigerte Werk. 1958 wechselte das Gemälde noch für 45 britische Pfund (!) den Besitzer – es wurde damals noch einem Schüler des Meisters zugeordnet. Das Bild zeigt Jesus Christus, in der linken Hand eine Kristallkugel haltend, und die rechte Hand zum Segen gestreckt. 2019 wurde berichtet, dass sich das 65x45cm große Gemälde im Besitz des Verteidigungsministers und Premierministers von Saudi-Arabien befindet – des Kronprinzen Mohammed bin Salman.

der teuerste bilderrahmen der welt
Das Bild Salvator Mundi wird erst seit einigen Jahren dem Meister Leonardo da Vinci persönlich zugeordnet. Hier mit dem teuersten Bilderrahmen der Welt.

Alte Bilderrahmen gleich teure Bilderrahmen?

Wer meint, dass besonders alte Bilderrahmen sehr teuer sein müssen, der irrt. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten sind alte Originalbilderrahmen aus vergangenen Epochen wertvoll geworden. Noch bis in die 1980er Jahre haben Kunsthändler alte Bilderrahmen sogar zum Teil verschenkt. Wer Originalbilderrahmen aus vorangegangenen Jahrhunderten haben wollte, musste sie oft einfach nur abholen, so wie gebrauchte Möbel. Das heute Kuratoren und Museumseinrahmer auf alte Originalbilderrahmen wert legen, ist sogar ein recht neuer Trend. Deshalb können gut erhaltene Bilderrahmen auf Auktionen aus vergangenen Jahrhunderten durchaus einige Tausend € kosten.

Wiederentdeckung der alten Bilderrahmen in Museen

1799 hat Napoleon Bonaparte alle Bilder im Pariser Louvre mit neuen Bilderrahmen rahmen lassen. 1978 hat der Direktor des Guggenheim-Museums in New York, Thomas M. Messer, viele Kunstwerke in Schattenfugenrahmen einrahmen lassen. Diese Praxis wurde auch als „Downframing“, also „Herunterrahmen“, bezeichnet. Und im Museum of Modern Art in New York kamen die alten Rahmen ins Magazin und wurden durch neue ersetzt. Erst seit den 1990er Jahren hat ein deutlicher Gegentrend eingesetzt. Museen achten wieder darauf, dass sie möglichst Bilderrahmen wählen, die aus der Epoche stammen, aus der das Kunstwerk kommt. Im Idealfall versucht man sogar einen Rahmen zu finden, von dem man weiß, dass er dem Künstler auch gefallen hätte. Wenn man wusste, dass der Künstler einen bestimmten Bilderrahmen mag, dann wurde auch versucht, einen in der Art zu bekommen. Das Land, die Region, die Epoche – all das wurden Kriterien bei der Rahmwahl.

Der teuerste Bilderrahmen der Welt rahmt Salvator Mundi

Was hat es nun mit dem Bilderrahmen zu Leonardos Werk auf sich? Der französische König Ludwig XII. und seine Frau gaben das Bild in Auftrag. Da Vinci hat es im frühen 15. Jahrhundert gemalt. Vor etwa einem Jahrzehnt wurde das Bild der New Yorker Julius Lowy Frame and Restoring Company zur Rahmung in Auftrag gegeben. Die Firma suchte aus ihrem Magazin mit seinen 5000 alten Bilderrahmen nach einem passenden Rahmen. Doch nur 20 entsprachen der Region und der Zeit. Meistens müssen an den Bilderrahmen noch Veränderungen an der Größe vorgenommen werden. Doch dieser saß fast auf Anhieb. Lowy restaurierte und vergoldete diesen. Die Seltenheit, die Erhaltung, die Epoche, die Exponiertheit bei Christie’s, und das eingefasste Kunstwerk machen diesen Bilderrahmen so wertvoll. Deshalb wird er auch auf etwa 50 000US$ geschätzt. Damit ist dieser Bilderrahmen für ein Kunstwerk dieser Größe der teuerste Bilderrahmen der Welt.

Wo ist das Bild jetzt?

Wer bisher gut aufgepasst hat, weiß in wessen Besitz es sich befindet. Allerdings ist es in keiner Ausstellung zu bewundern. Es gab Verhandlungen mit dem Louvre in Paris, und auch in Abu Dhabi. Allerdings haben diese sich zerschlagen. Es ist also nicht bekannt, ob nun nicht doch ein gegossener Bilderrahmen aus purem Gold das Bild rahmt. Dieser Bilderrahmen wäre dann allerdings noch teurer.

14. November 2020

Eindrücke der Art Taipei 2020

Eindrücke von Asiens herausragender Kunstmesse

Die Art Taipei konnte wie geplant zwischen dem 23. und 26. Oktober 2020 stattfinden. Obwohl Taiwan engste wirtschaftliche Beziehungen zu China unterhält, und täglich Tausende Flugreisende zwischen beiden Staaten verkehren, konnte Taiwan die Infektionszahlen dank rigider Maßnahmen niedrig halten. Denn über das gesamte Jahr gab es in Taiwan bisher nur ca. 500 Infizierte. Deshalb läuft das Leben wie gewohnt weiter, und so konnte auch eine der wichtigsten Kunstmessen Asiens wie geplant stattfinden. Hier zeigen wir einige Eindrücke der Kunstausstellung.

Taipei Art 2020 im Welthandelszentrum, unweit des 101 Wolkenkratzers

Leitmesse für Kunst aus Asien

Taipei Art gehört zu den wichtigen Kunstmessen in Asien. Taiwans Hauptstadt Taipeh ist eine der vielfältigsten Metropolen Asiens mit einer bunten Kunstszene. Das demokratische Taiwan wird militärisch permanent von China mit Kriegsdrohungen überzogen. Dennoch ändert das nichts daran, dass die 23 Millionen Einwohner zählende Insel über ein großes kreatives Potential verfügt. In diesem Jahr hat COVID-19 die Welt im Griff. In Taiwan allerdings schaut man auch auf das Schicksal Hongkongs. China hat Hongkong und die Bevölkerung entgegen internationaler Abkommen mit dem Vereinigten Königreich in seinen freiheitlichen Rechten stark eingeschränkt. Doch Taiwan, das befürchtet als nächstes an der Reihe zu sein, hofft auf internationale Unterstützung. Deshalb wird das Schicksal Hongkongs auch künstlerisch bearbeitet (siehe unten).

Hongkong als Arche Noah. Wohin geht die Reise für Taiwan?

Art Taipei 2020 – Trends asiatischer Kunst

Die Art Taipei zeigt in 2020 ein weites Spektrum asiatischer Kunst, oft von Galeristen aus Taipei im COVID-Jahr. Die reiche Metropole hat in den letzten Jahren erheblich an Standing in der internationalen Kunstwelt gewonnen. In den übersichtlichen Zeiten, in denen wir leben, lässt sich kein eindeutiger Kunsttrend erkennen. Das gilt auch für die Art Taipei. Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Objektkunst, und Collagen werden zum Teil schon gerahmt oder auch ohne Bilderrahmen angeboten. „Den“ eindeutigen Kunsttrend gibt es also nicht. Aber die Tatsache, dass viele Künstler versuchen, verschiedene Kunstkulturen (Asien-Westen) zu integrieren, zeugt vom Wunsch nach mehr Zusammenhalt auf dem kleiner werdenden, fragilen Planeten. Deshalb ist die Taipei Art auch wichtig für Taiwan und die internationale Kunstwelt.

Überdimensional, dreidimensional, einfach gut. Natürlich seeeehr stark von van Gogh inspiriert.
Moderne Kunst in Taipei: Auch europäische Künstler sind von asiatischer Kunst inspiriert
Hier fehlt doch ein Bilderrahmen?
Viele Bilder wurden bereits auf der Kunstmesse verkauft und waren mit einem (hier ncht sichtbaren) kleinen roten Punkt an der Beschreibung beklebt.
Taipei Art 2020
Die Natur leidet und muss viel aushalten und „tragen“. Oder wie würden Sie dieses Bild interpretieren?
24. Oktober 2020

Vincent van Gogh: Künstler der Rekorde

Der niederländische Expressionist fasziniert mehr denn je

Vincent van Gogh (1853-1890) ist weltweit einer der bekanntesten Maler, die je gelebt haben. In seinem nur 37 Jahre währenden Leben schuf der bekannteste Expressionist rekordverdächtige 2100 Werke. Seine Sonnenblumen gehören zu den bekanntesten Gemälden überhaupt, beliebt und berühmt im Westen genauso wie in Asien. 1990 hat ein japanischer Kunstsammler im New Yorker Auktionshaus „Christie’s“ sage und schreibe 82,5 Millionen US$ für das bislang teuerste van Gogh-Gemälde „Portrait des Dr. Gachet“ hingeblättert (nach heutigem Kurs etwa 160 Millionen). in 2017 wurde für „Acker mit pflügenden Bauern“, ebenfalls in New York, 81,3 Millionen US$ gezahlt. Vincent van Gogh ist ein Maler der Rekorde, wie sich auch an anderen Zahlen veranschaulichen lässt.

Vincent van Gogh Portrait von Dr. Gachet
Das Gemälde „Portrait von Dr. Gachet“ befindet sich nach wie vor in Privatbesitz in Japan: Es gehörte einst dem Frankfurter Städel-Museum, wurde jedoch von den Nazis 1937 als entartete Kunst bewertet und veräußert.

Rekordpreise bei Auktionen

2018 hat ein Frühwerk des Künstlers, die „Netzflickerinnen in den Dünen“, über sieben Millionen € Auktionserlös erzielt. Laut Auktionshaus Artcurial war das ein Rekorderlös für ein van Gogh Landschaftsbild. Die Schätzungen gingen zuvor von drei bis fünf Millionen € aus. Van Gogh war 29 Jahre alt, als er das Werk 1882 vollendete.

Vincent van Gogh, der zu Lebzeiten kaum ein Bild verkaufen konnte, wäre froh gewesen, wenn er eine Version seiner Sonnenblumen für 125US$ hätte verkaufen können. Am 31. März 1987, zum 134. Geburtstag des Künstlers, wurde das Bild für fast 40 Millionen US$ auf einer Auktion von Christie’s ebenfalls nach Japan verkauft. Heute befindet es sich jedoch in der National Gallery London.

Sonnenblumen von Vincent van Gogh 39 Millionen US$ 1987
Wurden 1987 rekordverdächtig nach Japan versteigert: Die Sonnenblumen von van Gogh

Rekordbesuch bei Ausstellungen

2008 hat die Vincent van Gogh-Austellung in der Wiener Albertina 500 000 Besucher angelockt. Mit bis zu 6000 Besuchern pro Tag war das die bisher efolgreichste Ausstellung in Österreich. Und das will schon was heißen, denn vorige Ausstellungen hatten mit Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens oder Pablo Picasso ebenfalls Hochkaräter. Picasso lockte mit 400 000 Besuchern aber doch klar weniger an. Bei einem Gesamtversicherungwert von rund drei Milliarden € war zur Deckung der Kosten aber auch besonders viel Zustrom nötig.

Auch das Frankfurter Städel-Museum konnte einen Rekordandrang zu Ehren van Goghs vermelden. Vom 23. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 wurden die 50 Werke von van Gogh von sogar mehr als 500 000 Kunstfreunden bewundert. Dies war in der 200jährigen Geschichte des Städel die meistbesuchte Ausstellung überhaupt. Übrigens war das Portrait von Dr. Gachet einst im Besitz des Städel-Museums. Allerdings war bei der Ausstellung diesmal lediglich der vergoldete Bilderrahmen zum Meisterwerk zugegen. Die Nazis hatten das Bild einst als entartete Kunst gebrandmarkt und veräußert.

Sowohl in Österreich als auch in Deutschland waren diese die ersten van-Gogh-Ausstellungen seit rund 20 Jahren.

Museum der Rekorde in Amsterdam

Am meisten Besucher zieht aber selbstverständlich das van-Gogh-Museum in Amsterdam an. Mit 2,3 Millionen Besuchern jährlich ist es zugleich das meistbesuchte Museum in den Niederlanden. Weltweit gehört es zu den Top-25 der Museen. Dort sind 200 Gemälde und 400 Zeichnungen sowie 700 seiner etwa 800 geschriebenen Briefe untergebracht.

Es nimmt wohl nicht Wunder, dass auch der größte Kunstdiebstahl in den Niederlanden seit dem zweiten Weltkrieg mit van Gogh zu tun hat. 1991 wurden zwanzig seiner Gemälde aus dem Amsterdamer van-Gogh-Museum gestohlen. Allerdings machte eine Reifenpanne dem Coup einen Strich durch die Rechnung. Die zwei Kunsträuber mit zwei Museumswärtern wurden von der Polizei geschnappt und verbüßten langjährige Haftstrafen. Die Bilder hatten einen Wert von mehreren Hundert Millionen €.

Vincent van Gogh – der berühmteste Maler der Welt?

Wer nach dem „berühmtesten Maler der Welt“ sucht, der wird kaum auf eine Top-Ten-Liste stoßen, die nicht auch den Namen Vincent van Gogh enthält. Mit Sicherheit ist er der bekannteste Künstler des Expressionismus, der maßgeblich die Kunst des 20. Jahrhunderts beeinflusst hat. In den Niederlanden muss er sich den Spitzenplatz der bekanntesten Holländer höchstens mit einem anderen Künstler teilen: dem Fußballidol Johan Cruyff.

6. September 2020

Das teuerste Gemälde von Picasso: Die „Frauen von Algiers“

Das teuerste Gemälde von Picasso sind die „Frauen von Algiers“, ein abstraktes Gemälde eines Harems. Als in 2015 Pablo Picassos Gemälde „Die Frauen von Algiers“ in der Version O auf einer Christie’s Auktion in New York versteigert wurde, war es damals das teuerste jemals versteigerte Gemälde. Es zeigt vier barbusige Haremsdamen in kräftigen Farben und abstrakt gemalt. Das Bild erzielte einen Rekordpreis von 160 Millionen Dollar (Gebühren kamen noch hinzu). Nur eineinhalb Jahre zuvor war der Tryptichon „Three Studies of Lucien Freud“ von Francis Bacon mit rund 142 Millionen Dollar das teuerste Gemälde. 1997 war der Picasso noch für 32 Millionen Dollar erhältlich. Was machte dieses anderthalb mal einen Meter großes Gemälde so teuer? Und warum erzielen diese Bilder überhaupt diese astronomischen Preise?

Große Meister, hohe Preise und Geldanlage

Nun, es gibt zahlreiche Gründe, warum Gemälde verstorbener Großmeister astronomische Auktionspreise erzielen. Erstens kommen keine neuen Werke verstorbener Meister mehr hinzu. Zweitens werden die bekanntesten Bilder in staatlichen Museen großer Meister nicht auf dem Markt angeboten. Es gibt also eine staatliche Verknappung bei den berühmtesten Bildern. Außerdem ist der Kunstmarkt preislich auch ziemlich aufgeheizt, was die schnellere Abfolge von Rekorderlösen bei Auktionen gerade in den letzten Jahren zeigt. Und drittens sind Kunst und Gemälde nicht zuletzt eine beliebter gewordene Anlage, insbesondere wenn andere Anlageklassen an Vertrauen verlieren, bzw. Großanleger ihre Investments stärker diversifizieren möchten. Mittlerweile bieten Investmentfonds auch für Kleinanleger Möglichkeiten, in Kunst zu investieren. Mit wenig Geld könnte man also den einen oder anderen Quadratmillimeter hoher Kunst erwerben. Auch Banken wie die Hypovereinsbank mischen mit und geben Einsteigern Tipps. Aber das wäre ein anderes Thema.

Insgesamt aber dürfte ein zentraler Grund für diese astronomischen Preise viertens auch die immer größer werdende Anzahl von Milliardären weltweit sein, insbesondere auch in Schwellenländern.

Was macht Picassos Frauen von Algiers so besonders?

Neben diesen allgemeinen Trends gibt es aber auch einige spezifische Gründe, die den hohen Preis des Gemäldes erklären. Das Bild ist eines von 15 gleichartigen Gemälden und wird als Version O bezeichnet (von A bis O). Picasso arbeitete an der Serie 1954/55. Die gesamte Serie wurde 1956 vom Sammlerehepar Ganz in einer Galerie von Daniel Henry Kahnweiler, dem Galeristen von Picasso, für 212 500 Dollar gekauft. „Les femmes des Algers“ von Picasso war laut Focus das letzte im Privatbesitz befindliche Gemälde von Picasso. Das dürfte ein wichtiger Grund für diesen Auktionserlös gewesen sein.

Inspiriert von Delacroix

Zudem war das abstrake Gemälde stark inspiriert von Eugène Delacroix (aus Urheberrechtsgründen zeigen wir hier nur die Inspirationsquelle). Delacroix malte ein Bild von einem Harem aus der arabisch-nordafrikanischen Welt. Das Bild entstand 1834 und fand damals auf dem Pariser Salon Bewunderung. Der französische König kaufte es schließlich. Die erotischen Anspielungen aus einer exotischen Welt sorgten für weitere Berühmtheit des Gemäldes. Auch Picassos Frauen von Algiers, zwar abstrakt gehalten, ist dergestalt erotisch.

Das teuerste Gemälde von PIcasso
Frauen von Algiers von Eugene Delacroix

Gewidmet Picassos Freund Matisse und weitere Reminiszensen

Zum anderen ist dieses Bild auch eine Hommage an Picassos Freund und Wettbewerber Henri Matisse. Matisse war im November 1954 gestorben, der gerne hellhäutige Konkubinen und Haremsdamen als Motive nahm und abstrakt malte.

Das Gemälde war ein Spätwerk Picassos und zitiert sich selbst, geprägt vom Romantizismus, dem von ihm geprägten Kubismus, Picassos Faszination für native afrikanische Kunst. Zudem hat das Werk seinerseits auch berühmte Künstler aus den 1960 und 1970ern wie Roy Lichtenstein oder Jasper Johns inspiriert.

Weltberühmt durch Ausstellungen

Obwohl das Bild in den 1956 Privatbesitz kam, wurde es dennoch über 60 Jahre weltweit auf Ausstellungen ausgestellt und wurde dadurch berühmt. Es wurde mehrmals im Metropolitan Museum sowie im Museum of Modern Art in New York ausgestellt. Es war im Madrider Prado zu bewundern, und in der Tate Britain und der Nationale Gallery in London. Auch im Pariser Louvre und im Centre Pompidou war es zu bewundern. Dies führte auch zu viel Beachtung in Kunst- und Fachzeitschriften und eben zu kunstgeschichtlicher Würdigung.

Das teuerste Gemälde von Picasso

Diese besonderen Hintergünde, neben der hohen Qualität des Gemäldes, dürften also ebenfalls gewichtige Gründe für den hohen Preis sein: Erstens, eines der wenigen in Privatbesitz befindlichen aber sehr berühmten Gemälde von Picasso, zweitens die Inspiration, die das Bild kunstgeschichtlich noch wertvoller macht, einschließlich die Verbindung mit Henri Matisse, und drittens und zusammenfassend, die erotische Darstellung über die Kunstgeschichte hinaus transzendierend.

Abschließend: wie sollte man einen Kunstruck von diesem Bild rahmen? Zuletzt wurde das Original mit einem schwarzen Bilderrahmen aus Holz mit Silberkante innen gesehen. Bei Rahmen-Shop.de wird eine große Auswahl solcher Bilderrahmen günstig angeboten, die einen Picasso Kunstdruck stilvoll einrahmen.