Vom Zauber leerer Bilderrahmen

leerer bilderrahmenIn der Financial Times Deutschland kommen in seltener Regelmäßigkeit einmal nicht Finanzexperten, sondern auch Kunstexperten zu Wort. Das eine schließt das andere nicht ja nicht aus, und so wurde der ehemalige Goldman Sachs Deutschland-Chef Tim Plaut über seine Sammelleidenschaft für italienische Renaissance-Rahmen befragt, die in der Geschichte der Bilderrahmen einen wichtigen Platz einnehmen.

Nachdem Tim Plaut 1990 die Robert Lehman Collection of Renaissance Frames im New Yorker Metropolitan Museum of Modern Art für sich entdeckte und ein ganzes Wochenende im Museum verbrachte, hat er seine Sammelleidenschaft für italienische Renaissance-Bilderrahmen entdeckt. Besonders fasziniert sei er von deren skulpurenhaften und architektonischen Schönheit gewesen. Er hat rund 85 Rahmen in seiner Sammlung, von denen viele vergoldet, aufwendig geschnitzt und bemalt sind. Der studierte Kunsthistoriker Plaut spricht sich gegen eine Restaurierung der Rahmen aus, da er die Spuren vergangener Jahrhunderte an den Rahmen, also deren „ungeschönte Lebensgeschichte“ erhalten und an der Wand wissen möchte. Der Bilderrahmen-Experte hängt die Rahmen ohne Inhalt an die Wand. Zum einen könnte er sich deren Originalbestückung mit Gemälden von Botticelli oder Filippino Lippi gar nicht leisten, zum anderen wurden viele der Bilderrahmen spätestens im 18. Jahrhundert von ihren Gemälden getrennt. Damals kam der Trend auf, Gemälde in einheitliche Galerie-Bilderrahmen zu rahmen. So wurden auch viele der alten Renaissancerahmen einfach entsorgt.

Der Experte für die italienischen Renaissance-Rahmen äußert sich auch – wie man es in der Finanzzeitung erwarten darf, zu den Marktbedingungen und -Chancen alter Renaissance-Rahmen. Demnach gäbe es keinen etablierten, dafür aber übersichtlichen Markt, mit weltweit nur einer Handvoll an Händlern dieser Rahmen. Von Kunstmessen kommen nur jene in Maastricht infrage. Dort aber einen Rahmen zu finden, gleiche regelrecht einer „Trouvaille“. In den 1990ern habe es einmal eine Auktionsserie mit 12 bis 13 Auktionsterminen bei Christie´s in London gegeben, deren Einmaligkeit Plaut aber zu jener Zeit nicht erkannte. Dennoch seien die Preise für Kunsthandwerk aus jender Epoche, zu denen die Rahmen zählen – insbesondere im Vergleich zu den rasant gestiegenen Preisen für die Gemälde dieser Zeit, inflationsbereinigt sogar gefallen. Dies sei ihm aber egal, da er prinzipiell Käufer und nicht Verkäufer ist. Damit bekennt sich der ehemalige Investmentbanker auch ehrlich dazu, dass „Geld mehren und Kunst genießen“ für ihn „zwei sehr unterschiedliche Dinge“ seien.

Vom Zauber leerer Bilderrahmen handelte auch eine Bilderrahmen-Ausstellung in der Alten Pinakothek in München, über die im Rahmen-Shopper´s ebenfalls berichtet wurde.

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