Staatliches Museum in der Türkei unbemerkt geplündert

1100-49-21_bigPressemeldungen berichteten jüngst über einen spektakulären Fall von Kunstraub in der türkischen Hauptstadt Ankara. Dort wurden hunderte Bilder aus dem Gemälde- und Skulpturenmuseum heimlich durch Fälschungen ersetzt. Es wird mit einem Schaden von rund 50 Millionen Euro gerechnet. Auch Ministerien sollen sich bedient haben. Zum Teil blieben wohl nur die leeren Bilderrahmen zurück.

Unter den “getauschten” Werken ist ein gutes Dutzend Kohlezeichnungen des Malers Hoca Ali Riza, der im frühen 20. Jahrhundert für seine Stadtansichten von Istanbul bekannt war. Museumsdirektor Gündogdu musste im Fernsehen zugeben, dass er nicht angeben kann, wann die Riza-Zeichnungen aus seinem Haus verschwanden. Dies könne fünf oder auch bereits zehn Jahre her sein.

Bemerkt hatte das niemand, bis der Kunstprofessor Osman Altintas zusammen mit Kollegen im Auftrag des Kulturministeriums die ausgestellten Bilder inspizierte. Die Experten stellten bei ihrer Expertise das Ungeheure fest: Nämlich, dass mehre Hundert Exponate ausgetauscht wurden. Von anderen Werken finden sich nur noch die Bilderrahmen.

Der Verlust wird auf rund 400 Bilder geschätzt – was rund ein Zehntel des Museumsbestands entspricht. Zwar tauchten bei der Lagerinspektion einige Werke wieder auf. Diese waren aber aufgrund der schlechten Lagerung bereits verrottet, was Altintas zur trockenen Bemerkung veranlasste “es wäre besser gewesen, sie wären auch geklaut worden”.

Ein funktionierendes Überwachungssystem mit Kameras habe es bis vor kurzem in seinem Museum ebenfalls nicht gegeben, sagte der Museumsdirektor. So fehle von den 31 bereits seit 1997 als vermisst geltenden Gemälden bis heute jede Spur. Da es starke Hinweise auf Mitarbeit bei dem Diebstahl von Museumsangestellten gibt, hatten es die Diebe wohl besonders einfach. Nachdem erneut drei Bilder verschwanden, wurde erst kürzlich ein Mitarbeiter entlassen. Ob dieser ein Arbeitsgericht anrief um gegen die Kündigung zu klagen, ist den Pressemeldungen nicht zu entnehmen. Auch zu den leeren Bilderrahmen machte der Museumsdirektor interessante Angaben. Demnach seien die Werke nicht unbedingt gestohlen worden, sondern vielleicht nur in der Unordnung der Museumsbestände untergangen, sagte Gündogdu. Positiv zu vermelden ist demnach, was auch der Direktor betont: “Sie könnten irgendwo wieder auftauchen.” Die Lagerräume des Museums seien aber leider “etwas voll”.
Die Inspektion des Museums in Ankara war nach einem anderen Aufsehen erregenden Fall angeordnet worden: Im Museum der westtürkischen Stadt Usak wurde vor wenigen Jahren eine antike Goldbrosche aus dem Schatz des Königs Krösus in Form eines Seepferdchens gestohlen und durch ein Imitat ersetzt. Der Diebstahl blieb damals über mehrere Monate unbemerkt. Der Fall nahm aber eine interessante Wendung: Kürzlich wurde der Museumsdirektor von Usak wegen des Falles zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Während Altintas und die anderen Experten die Bilder des Ankaraner Museums auf weitere Fälschungen hin untersuchen, konnte Kulturminister Günay einige der entwendeten Kunstwerke ausfindig machen. Sie wurden beim Staat in Ministerien gefunden. Offensichtlich wollten Minister ihre Räumlichkeiten repräsentabel und günstig einrichten. Dabei fürchteten sie wohl auch den Kram mit den Formularen. Peinlicherweise fand Günay sogar in seinem eigenen Kulturministerium acht dieser “geliehenen” Gemälde. Diese wurden mittlerweile immerhin anstandslos zurückgegeben. Ob dies bei seinen Ministerkollegen ebenfalls so einfach über die Bühne geht, ist wohl noch nicht klar. Günay versucht nun jedenfalls, diese dazu zu bewegen, die Werke in ihren Häusern ebenfalls wieder herauszurücken.

Um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden, solle das Bewusstsein für kulturelle Schätze in der Türkei geschärft werden. Unumgänglich seien aber auch bessere Kontrollen durch mehr Wachleute und verbesserte Sicherheitssysteme. Es sollte in Zukunft auch nicht mehr möglich sein, unbemerkt Kunstgegenstände aus türkischen Museen zu entwenden, so ein erstes Fazit aus der Türkei.

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1 Kommentar zu „Staatliches Museum in der Türkei unbemerkt geplündert“

  1. Steffi sagt:

    Das ist ja mal echt ein Ding!
    Irgendwie kann man ja schon fast den Eindruck bekommen, dass Kunstraub in letzter Zeit rapide zu nimmt.

    Aber, dass das keinem aufgefallen ist, ist ja echt der Hammer. Da kommt mir zwangsweise der Vergleich mit dem Film “die Thomas Crown Affäre” mit Pierce Brosnan.

    Aber war die Türkei in Sachen Schutz kultureller Güter nicht ohnehin eines der strengsten Länder? Zumindest was unbedarfte Urlauber anging, die vermeintliche Steine im Gepäck haben, wurde hart durch gegriffen.

    LG Steffi

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